(5) WIND - DIE PULSADER DER ATMOSPHÄRE
Obwohl viele Menschen immer wieder über "schlechtes" Wetter klagen, wenn sich einmal zu kalte, zu nasse oder zu trübe Tage häufen, können sich auch die unverbesserlichsten Nörgler unter uns der Erkenntnis nicht wirklich verschließen, daß Wolken und Regen für das Leben auf unserer Erde ebenso unentbehrlich sind, wie der so gern gepriesene Sonnenschein...
Weitaus weniger bewußt ist man sich da schon über die elementare Bedeutung des Windes. - Der wird nämlich von vielen Zeitgenossen häufig einfach nur als lästig, unangenehm oder gar bedrohlich empfunden. Letzteres verständlicherweise besonders dann, wenn er sich etwa in Gestalt eines wütenden Orkans oder eines Schneisen der Verwüstung hinterlassenden Wirbelsturms erhebt. Kommt er dagegen mit gezügelter Kraft daher, wird Wind - vor allem vom Landmann - durchaus auch als das von schöngeistiger Lyrik einst so gern beschworene, "himmlische Kind" geschätzt.
So sorgt allein der Wind dafür, daß zahlreiche Kulturpflanzen überhaupt fortpflanzungsfähig sind, indem er ihren Blütenstaub - die bei Heuschnupflern so unbeliebten Pollenkörner - über Entfernungen von Dutzenden, ja manchmal sogar Hunderten von Kilometern durch die Lüfte trägt. Und in den Herbstmonaten werden dann die reifen Samen vieler Pflanzen vom Wind in neue Lebensräume transportiert...
Aber Wind ist es auch, der, angetrieben vom "Generator Sonne", den Transport von regenspendenden Wolken vom Meer bis tief in's Innere unserer Kontinente hinein sicherstellt. Ohne Wind, als atmosphärische "Pulsader" des irdischen Wasserkreislaufs, würde die Erde unweigerlich zu einer lebensfeindlichen Wüste versteppen. Und auch an der Gestaltung der Oberfläche unseres Heimatplaneten war Wind stets maßgeblich beteiligt:
Im jahrmillionenalten Zusammenspiel von Hitze und Kälte, Wasser und Eis, meißelte Wind winzige Körnchen aus dem Mineralgestein vergangener Epochen und trug diese oft Tausende von Kilometern weit durch die Luft. An windärmeren Orten lagerten sich jene "Flugerden" im Lauf der Zeit, ähnlich wie winterliche Schneewehen, als fruchtbarer Lößboden ab.
Und heutzutage suchen die Anhänger der verschiedensten Luftsportarten die Herausforderung des Windes: Neben dem nostalgischen Segeln auf Wasserflächen, erfreuen sich vor allem Segel-, Drachen- und Gleitschirmflug, aber auch die wiederentdeckte Ballonfahrerei wachsender Beliebtheit. - Wind, so wissen jene modernen Jünger des Ikarus zu schwärmen, ist nicht "Schlechtwetter", sondern das reinste Lebenselexier.
Sonntag, den 8. März 1998
copyright: Jürgen Vollmer, Marburg
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