(4) WENN PETRUS DER SONNE DEN "HOF" MACHT

Wer kennt ihn nicht, - den guten alten Regenbogen, der sich bisweilen vor dem dunklen Grau abziehender Regenwolken farbenprächtig am Himmel aufspannt, sobald die ersten Sonnenstrahlen wieder durch die graue Wolkenwand brechen? - Jener leuchtende Lichtbogen zaubert bekanntlich eine vollkommene Palette der im Sonnenlicht enthaltenen Farben in die regenfeuchte Luft.

Die weich ineinander übergehenden Farben wechseln dabei vom magischen Rot-Violett an der Innenseite des Bogens über satt schimmernde Blau-, Grün-, Gelb- und Orangetöne bis hin zum leuchtenden Purpur am äußeren Rand. Je tiefer die Sonne am Himmel steht und je flacher ihre Strahlen daher unter das Gewölk dringen, desto höher spannt sich der Regenbogen über den Horizont.

Zwar weitaus blasser - jedoch nicht minder majestätisch - formiert sich manchmal aber auch ein sogenannter "Halo-Kreisbogen" in den milchigen Schleiern dünner Cirruswolken rund um die Sonne. Im Volksmund wird diese Erscheinung auch als "Hof" bezeichnet, denn bei ausreichend hohem Sonnenstand und wenn sich die Schleierwolken weithin am Himmel ausgebreitet haben, bilden Halos sogar einen geschlossenen Ring, der die Sonne in einem Abstand von genau 46 Winkelgraden umgibt.

Dessen phaszinierende Erscheinung wird mitunter von gleißenden "Nebensonnen" gekrönt, die ihn in strahlenden Lichtknoten sowohl links, als auch rechts neben der Sonnenscheibe aufglimmen lassen. und die - je nachdem wie lange die glänzenden Wolkenfasern an der betreffenden Stelle des Himmels erhalten bleiben - geraume Zeit sichtbar sein können. Auch "Gegenhöfe", d. h. von der Sonne wegweisende und den zentralen Lichtbogen von außen berührende, farbige Teilbögen gehören zum Repertoire jener zauberhaften, durch Lichtbrechung in den Eiskristallen von Wolken geborenen, himmlischen Staffelei.

Halos, die in schwächerer Intensität auch um den Mond herum wahrgenommen werden können, gelten allerdings - ebenso wie die sie erzeugenden Schleierwolken - als Vorboten kommender Wetterverschlechterung. So ist es - aller Schönheit der Erscheinung zum Trotz - zumindest meteorologisch betrachtet - kein besonders gutes Vorzeichen, wenn Petrus der Sonne den Hof macht...

Sonntag, den 1. März 1998

copyright: Jürgen Vollmer, Marburg



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