Regen gibts ja bekanntlich öfters mal, manchem von uns sogar viel
zu oft. Er macht naß und ist - abgesehen von seiner segensreichen Wirkung für die Natur
- häufig recht lästig! Schnee ist da schon interessanter, denn wenn es kalt genug ist,
bleibt er wenigstens in den Bergen auch mal ein Weilchen liegen und eröffnet so die
Möglichkeit zu allerlei Wintersport.
Manchmal fällt Regen aber auch in Form von Eiskörnern vom Himmel. Geschieht das im
Winter spricht man von "Eisregen", der im Verkehr zuweilen für Aufregung sorgt
und, wenn man Pech hat, auch schon mal einen Blechschaden oder gar Schlimmeres auslösen
kann...
Eisregen ist deshalb so gefährlich, weil er meist am Ende längerer Frostperioden
auftritt, wenn sich in höheren Luftschichten bereits wärmere und daher leichtere Luft
über die in Bodennähe lagernde, schwere Frostluft schiebt. - Fällt nun Regen in diese
Frostluft hinein, gefriert er am Erdboden zu Glatteis oder auch schon in der Luft zu
kleinen Eiskörnchen, dem Eisregen. Erst wenn der atmosphärische Löffel "Wind"
die verschiedenen Luftschichten nach und nach durcheinandergerührt hat, verschwindet die
bodennahe Kaltluft und der Glatteisspuk ist vorbei.
Sommerlicher Hagel verdankt sein Entstehen dagegen heftigen Auf- und Fallwinden, deren
entfesselte Gewalt im Sommer mächtige Gewitterwolken aufzutürmen pflegt. In Höhen von 5
bis 12 Kilometern herrscht auch im Hochsommer eisiger Frost von 10 bis 50 Grad unter Null.
Werden nun in einer bis in diese Höhen aufsteigenden Gewitterwolke Schnee- und
Eisktistalle gebildet und fallen diese dann mit einem starken Abwind bis in die warme Zone
unterhalb der Wolke, so tauen sie auf und kommen als "normale" Regentropfen auf
der Erde an.
Werden sie dagegen, noch bevor sie die Erde erreicht haben und vollständig aufgetaut
sind, wieder vom Aufwind erfasst, so verkleben sie in der Frostzone der Wolke mit anderen
feuchten Schnee- und Eiskristallen und werden dabei rasch größer. Schleudert ein neuer
Fallwind diese Zusammenballung aus gefrorenen Regentropfen und Eiskristallen abermals in
den Bereich mit positiven Temperaturen unterhalb der Wolke, werden sie durch das
neuerliche "Tauwetter" wiederum in - jetzt schon bedeutend größere -
Regentropfen mit einem kleinen Kern aus Eis verwandelt. Fallen sie jetzt bis zum Erdboden
durch, schmelzen diese Eisreste meist noch vollständig ab und unten kommt ein dicker,
fetter Platzregen an.
Werden die angetauten Eiskörner aber vorher erneut vom Aufwind abgefangen und wiederum in
die Frostzone der Wolke emporgerissen, so wiederholt sich der geschilderte Vorgang und mit
jedem weiteren Durchgang verwandeln sich die anfangs noch recht kleinen Eiskörnchen in
immer dickere Eiskugeln. Diese tauen in den warmen Zonen nur noch oberflächlich an, bevor
sie sich beim nächsten Trip nach oben durch weitere Reif- und Eisanlagerungen Schicht
für Schicht zu immer schwereren und größeren Eiskörnern verdichten. Diese Vorgänge
können sich einige Dutzend mal wiederholen, bis die Eiskörner so schwer geworden sind,
daß sie in einer gewaltigen Fallbö kalter Wolkenluft endgültig zu Boden prasseln!
Da der so ausgelöste Hagelschlag innerhalb von nur zwei bis drei Minuten durch die warme
Schicht unterhalb der Gewitterwolke hindurchstürzt, reicht die Zeit trotz 10 bis 20
Plusgraden nicht mehr aus, um das Eis zu schmelzen, bevor es den Boden erreicht. - Das
Ergebnis sind mehr oder weniger schwere Hagelunwetter. Bei sehr schweren Hagelgewittern
wurden schon Eiskugeln in der Größe von Tennisbällen beobachtet. - Solche Eisbrocken
können mühelos Glasscheiben durchschlagen, Dachziegeln zerstören und ganze Felder
vernichten. Die Schäden, die ein solcher Hagelsturm binnen wenigen Minuten anrichten
kann, gehen in die Millionen...
Sonntag, den 18. Oktober 1998
copyright: Jürgen Vollmer, Marburg
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