(29) "Heiße Frieda" und "kalter Moritz" - Ritterschlag eines Wetterfroschs...
Ob denn Tiefs tatsächlich deswegen Frauennamen erhalten, weil sie sich "zickiger" gebärden als Hochs? - wollte unlängst ein Freund von mir wissen. Sein Schmunzeln verriet, daß die Frage mehr als Stichelei gegen die in Hörweite sitzenden, jungen Damen zu verstehen war, denn als ernstes Auskunftsbegehren an meine Person. Und prompt nahm das "schwache" Geschlecht den Fehdehandschuh auf: Unter dem schelmischen Grinsen meines "unschuldigen" Freundes mußte ich einmal mehr jede Beteiligung an der üblichen Namensgebungspraxis für meteorologische Druckgebilde weit von mir weisen und heftigst meine Unschuld beteuern...
Denn ganz gleich, ob ein beständiges Schönwetterhoch oder ein zählebiges Regentief gerade die Gemüter erregt: Stets macht sich ein markiges Wettergebilde bundesweit auch einen Namen. - Mal läßt uns die "kalte Frieda" mitten im Sommer bibbern - und nicht etwa nur ein beharrliches Regentief! Und ein ander Mal ist es nicht nur einfach ein unscheinbarer Keil des Azorenhochs, dessen Glut an den Stränden der heimischen Badeseen Südsee-Phantasien weckt, - nein, der rettende Wetterengel hört auf den klangvollen Namen "heißer Moritz"!
Eigentümlicherweise finden die Herren der Schöpfung dabei ihr atmosphärisches Pendant stets in "beständigem" Schönwetter, wohingegen die Namen für das "unbeständige" Walten zäher und stürmischer Regentiefs ausnahmslos aus den Reihen der holden Weiblichkeit rekrutiert werden. - Der amtliche Wetterdienst will mit dieser Nomenklatur übrigens nicht das Geringste zu tun haben. - Für ihn bevölkern ausschließlich "neutrale" Tiefs und Hochs die tägliche Wetterkarte und dabei soll es auch in Zukunft bleiben. So stellt sich die berechtigte Frage, wer unseren deutschen "Emils" oder "Wiltruds" denn eigentlich seit Jahr und Tag Pate steht?
Nun, - der wahre "Bösewicht" unter den Wetterfröschen findet sich in der Hauptstadt Berlin! Das "Meteorologische Institut der Freien Universität Berlin" vergibt seit Jahrzehnten diese Namen und hielt bei der Benennung von Hochs und Tiefs auch zu Zeiten des stürmischsten Emanzipationsdrucks an "dem kleinen Unterschied" fest, den das "freundliche Walten" Adams gegenüber dem "launischen" Treiben Evas im öffentlichen Ansehen genießt. Und von dieser eingespielten Tradition, so ein Sprecher des Instituts, wolle man auch künftig nicht abrücken.
Doch dann vernimmt man auch Befremdliches: Nicht etwa ein Mann, wie Frau glauben könnte, sondern eben eine Frau ist es anno dazumal gewesen, die der vom Institut noch heute geübten Praxis bei der Namensgebung der atmosphärischen Druckgebilde zum Durchbruch verhalf: Die frühere ZDF-Meteorologin Dr. Karla Wege war es nämlich, die ihrerzeit für die Benennung von Tiefs mit Frauennamen und Hochs mit Männernamen erfolgreich eingetreten ist.
Heute ist es dagegen ein Mann, der dem "unzeitgemäßen" Treiben der FU Berlin den Kampf angesagt hat und das unter dem weitaufgerollten Banner weiblichen Emanzipationsstrebens: Kein geringerer als Jörg Kachelmann, seines Zeichens ARD-"Wetterman", also Deutschlands beliebtester Wetterpapst, will ab Januar 1999 mit der bisherigen Namensgebungspraxis Schluß machen und fortan abwechselnd Männer- und Frauennamen an jedwede Wetterunbill verteilen.
Und wie es aussieht, könnte der pfiffige Schweizer mit seinem medienwirksamen Vorstoß auch durchaus Erfolg haben, denn zu den Unterstützern seines Feldzugs gegen die Bürokratie zählt, so hört man, auch die schillernde Feministin und EMMA-Herausgeberin Alice Schwarzer, die in Kachelmann offenbar den "Weißen Ritter" seiner Zunft erkannt zu haben glaubt. Wir dürfen gespannt sein, ob es denn mit dem geschickt inszenierten Aufstieg vom schlichten (Wetter-)Frosch zum edlen Ritter weiblichen Emanzipationsbegehrens auch tatsächlich klappen wird...
Jürgen Vollmer
Marburg, am Sonntag, den 4. Oktober 1998
copyright: Jürgen Vollmer, Marburg
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