(28) Herbstanfang - Am Nordpol beginnt die Polarnacht
Nachdem der meteorologische Sommer bereits vor fast vier Wochen zuende gegangen ist, begann vor vier Tagen, am 23. September, nun auch nach dem Kalender der Herbst. - Tag und Nacht halten sich jetzt mit jeweils 12 Stunden Dauer genau die Waage, aber im Gegensatz zur Frühjahrs- "Tag- und Nachtgleiche" nimmt die Tageslänge in den kommenden Wochen rasch weiter ab.
So verkürzt sich die Verweildauer der Sonne über dem Horizont täglich um rund 4 Minuten, in einer Woche macht dies rund eine halbe Stunde und schon in einem Monat steigt die Sonne nur noch für rund 10 Stunden über den Horizont. Dann wird auch für unsere Uhren die Sommerzeit enden, so daß es bei trübem Himmel abends schon wieder um etwa 18 Uhr dunkel sein wird.
Zugleich mit dem astronomischen Herbstanfang am vergangenen Mittwoch ging am Nordpol auch der lange Polartag zuende. - Dort nämlich kreiste die Sonne ein halbes Jahr lang ohne Unterbrechung über dem Horizont, um von nun an für die Dauer der ebenfalls halbjährigen "Polarnacht" gänzlich vom Himmel zu verschwinden.
So werden sich die Luftmassen der Arktis - mangels den wärmenden Sonnenstrahlen - schon bald auf beträchtliche Frostgrade abkühlen und in den kommenden Monaten mitunter weit nach Süden vorstoßen: Der Nordwinter sammelt seine Kräfte. - Genau umgekehrte Verhältnisse herrschen dagegen auf der Südhalbkugel der Erde: Nachdem sie dort am 21. März verschwunden war, geht die Sonne nun am Südpol wieder auf und in den Erdteilen südlich des Äquators fängt damit der kalendarische Frühling, bzw. das lichtreiche Sommerhalbjahr an.
Schuld am ewigen Wechsel der Jahreszeiten ist die "Schräglage" der Erde bei ihrem Lauf um die Sonne. Mit einem Modell-Globus läßt sich die Wirkung ihrer Achsneigung anschaulich nachvollziehen: Richtet man eine Lichtquelle (Sonne) so auf das Modell (Erde), daß die Lichtstrahlen aus einiger Entfernung waagrecht auftreffen, entspricht die Stellung des zur Lichtquelle geneigten Erdmodells derjenigen des (Nord-)Sommeranfangs am 21. Juni.
Ahmt man nun durch Drehen des Modells die Erdrotation nach, stellt sich heraus, daß das Nordpolargebiet nicht auf die Schattenseite (Nacht) wechseln kann. - Wiederholt man den gleichen Vorgang nach einer Vierteldrehung des Modellfußes im Uhrzeigersinn, so gelangen beide Pole genau an die Grenze zwischen Licht und Schatten.
Die richtige Erde benötigt für einen solchen Positionswechsel gegenüber der Sonne exakt ein Vierteljahr. Ihre neue Stellung zur Sonne entspricht dann genau unserem astronomischen, bzw. kalendarischen Herbstanfang am 23. September. Und wenn man den Modellfuß nun jeweils um weitere Vierteldrehungen verschiebtt, lassen sich auch die anderen Eckpunkte der Jahreszeiten imitieren und es wird deutlich, weshalb die Sonne erst wieder in einem halben Jahr ihre gegenwärtige Mittagshöhe über dem Horizont erreichen kann...
Jürgen Vollmer
Marburg, am Sonntag, den 27. September 1998
copyright: Jürgen Vollmer, Marburg
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