(27) Hurrican "George" - ein tödlicher Wirbelsturm bedroht die Karibik

Es ist mal wieder soweit: Nach dem Augusthurrikan "Bonnie" driftet dieser Tage ein neuer, gewaltiger Wirbelsturm durch die Karibik und droht auf Guadalupe und den Jungferninseln zu Wochenbeginn schwerste Verwüstungen zu hinterlassen. Und auf seiner weiteren Zugbahn liegt, wenn er nicht noch überraschend abdreht, in der zweiten Wochenhälfte wieder einmal die Südostküste der USA...

Der stärkste Wirbelsturm in dieser Region seit fast 20 Jahren hat bisher zwar nur einen Durchmesser von 300 Kilometern, aber in seinem Inneren rotieren gigantische Luftpakete mit durchschnittlichen Windgeschwindigkeiten von rund 250 Stundenkilometern und Spitzenböen bis zu 300 Kilometern pro Stunde! Und - wie es aussieht - sammelt "George" auf seinem Weg nach Westen noch weitere Kräfte...

Anders als die Sturmfelder unserer Breiten, verdanken die je nach der Region ihres Auftretens als "Hurrican", "Taifun", "Willy Willy" oder einfach nur "Zyklon" bezeichneten, tropischen Wirbelstürme ihr Entstehen nicht dem Zusammenprall von kalten und warmen Luftmassen. Sie entwickeln sich vielmehr ausschließlich über den warmen, äquatornahen Meeresgebieten und weisen daher auch keine Luftmassenfronten auf.

Die komplizierten Mechanismen, welche zur Bildung eines solchen Sturms führen, sind auch heute noch nicht restlos geklärt. - Wesentliche Voraussetzungen bestehen jedoch darin, daß die Oberflächentemperatur des Meeres bei geringen Luftdruckgegensätzen weitflächig mindestens 27 Grad betragen muß. Und diese Bedingungen werden im mittleren Atlantik und in der Karibik Jahr für Jahr am Ende des Sommers und im frühen Herbst angetroffen.

Entwickelt sich bei derartigen Optimalbedingungen erst einmal eine Gewitterstörung, können die Rotationskräfte der Erde eine "zyklonale" Drehbewegung in Gang setzen. Der auf diese Weise frisch geborene, tropische Sturm saugt sodann gierig feucht-warme Luftmassen aus seiner Umgebung an, die in immer enger werdenden Spiralen zu seinem Zentrum strömen und dabei zugleich in große Höhen aufsteigen. So wird den gewaltigen Gewitterwolken des jungen Sturms fortlaufend neue "Nahrung" zugeführt.

Im Zentrum der rotierenden Sturmsäule bildet sich alsdann ein Bereich völliger Windruhe, das 5 bis 20 Kilometer durchmessende "Auge", in welchem der Himmel fast wolkenlos ist, so daß hier sogar die Sonne scheint. Aufgrund der zu diesem Auge gerichteten, wasseraufhäufenden Wirkung des Sturms sowie wegen des extrem geringen Luftdrucks und nicht selten mehr als 50 cm gefallenen Regens, kann der Meeresspiegel am Vorderrand dieses Sturmzentrums um etliche Meter aufgewölbt werden.

So wurden in der Vergangenheit schon Wirbelstürme beobachtet, die mit bis zu 12 Meter hohen Flutwellen über die betroffenen Küstengebiete hereinbrachen, wo sie zusammen mit den vernichtenden Sturmböen binnen kürzester Zeit gigantische Verwüstungen hinterließen. In der genauen Beobachtung der Zugbahn solch’ tödlicher Stürme liegt für die bedrohten Regionen die einzige Chance, rechtzeitig Vorkehrungen zum Schutz der Bevölkerung zu treffen...

Jürgen Vollmer

Marburg, am Sonntag, den 20. September 1998

copyright: Jürgen Vollmer, Marburg



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