Am Samstag, den 5. September 1998 starb plötzlich und unerwartet mein Freund Jörg Grun im Alter von nur 36 Jahren. Sein Tod hinterläßt Fassungslosigkeit, Trauer und Schmerz bei seiner Familie und zahllosen Freunden.

Die Begleitung auf seinem letzten Weg, ließ mich wieder Worte finden, Worte des Abschieds an einen feinen, liebenswerten Menschen, der das Leben und die Natur stets achtete, bewunderte und liebte.

Mit den folgenden Bildern nehme ich Abschied von der in Jahren freundschaftlicher Verbundenheit gemeinsam gegangenen Wegstrecke im Kreis unserer Freunde vom "Alten Bahnhof" in Dreihausen, für dessen Erhalt wir uns einst mit viel Kraft und Ausdauer erfolgreich eingesetzt haben. Er war und ist der Ort unserer Begegnung...

Jürgen Vollmer

 

(26) Sternschnuppenromantik und funkelnder Frost

Abschiedsgedanken an einen verstorbenen Freund

Hinter dem flackernden Schein des wärmenden Feuers legt sich der kühle Mantel der Nacht über die Mauern des "Alten Bahnhofs" und rund um das Weidengehölz vor seinem kleinen Portal. Aus der offenen Tür und den Fenstern des Hauses aus einer anderen Zeit, fließt warmes Licht zum Grillplatz heran und vereinigt sich hier mit den tanzenden Schatten, die allenthalben um das lodernde Feuer huschen und sich im Dunkel der Sträucher verlieren.

Du willst wissen, warum eine Sternschnuppe leuchtet, warum gerade in dieser Nacht so viele jener kosmischen Boten unter dem Himmelszelt dahinjagen und warum sie alle aus dem gleichen Sternbild zu kommen scheinen, - warum man "im Süden" viel mehr Sternschnuppen sehen kann, als "bei uns" und mit einem verschmitzten Lächeln fügst Du die "ernsthafte" Frage hinzu, ob Du Dir nun auch wirklich etwas wünschen darfst? ... - Du darfst, nur erzählen darfst Du es nicht! - Was Du Dir im Stillen wohl damals gewünscht hast?

Wie heiß ist ein Blitz? Schlägt er wirklich in manche Bäume lieber ein, als in andere? Wieso entstehen Orkane wie "Vivian" und "Wiebke" ausgerechnet im Frühjahr? Sind sie eine Folge "unserer" Eingriffe in die Natur? - Dann spekulierst Du wieder mit schelmischem Grinsen: Ist es denn wirklich so, daß Tiefs deshalb Frauennamen erhalten, weil sie sich "zickiger" gebärden, als Hochs? Wird die Erde tatsächlich immer wärmer, so daß unsere Kinder einmal in einer Welt anschwellender Meere leben müssen? Oder ist da vieles nur Panikmache? ... - Du warst, wo immer Du wirkliche Probleme sahst, ein wohltuend ernster und weitsichtiger Mensch ...

Dann frieren die Wasserleitungen unserer "Hütte" ein und nichtmal Dauerheizen kann unsere Gemeinschaft vor Schaden bewahren, denn erst beim Auftauen zeigt sich ein Wasserrohrbruch! - Warum? - Du, nachsichtig schmunzelnd: "na, weil erst dann wieder Wasser durch die vielleicht beschädigten Rohre strömen kann!" ... - Diesmal hast DU mir so Logisches erklärt...

Mit "Bitter Fruit" von "Little Steven" und einem gepflegten Weizen beim prasselnden Ofen wenden wir uns im Kreis unserer Freunde wieder anderen, elementaren Themen des Lebens zu. - Derweil schweben draußen funkelnde Schneekristalle herab und legen sich leise aufs Dach unseres "Palasts", über die kahlen Zweige der ruhenden Weidensträucher und über die schlummernde Feuerstelle des vergangenen Sternschnuppensommers. Und sie bewahren nicht nur den Ort unserer Gemeinschaft vor der Schärfe eines manchmal gar zu bitteren Frosts...

Ich sehe Dich aus einer Welt voller Licht, Wärme und Frieden zu uns herüberschmunzeln, - jenseits der bisweilen hell aufleuchtenden Sternschnuppen unserer Wünsche, - bis denn, Jörg ...

Jürgen (alias "Tschai")

Marburg, am Freitag, den 11. September 1998

copyright: Jürgen Vollmer, Marburg



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