(24) Warum die Hundstage "Hundstage" heißen
Es ist mal wieder soweit: Die "Hundstage" stehen bevor und mit ihnen jene Zeit des Jahres, in der oft sengende Hitze über Europa lastet. Auch in unseren Breiten klettern die Quecksilber mühelos bis über 30 Grad im Schatten, vorausgesetzt ein stabiles Hoch lenkt Warmluft aus subtropischen Breiten zu uns. Die Meteorologen nennen derart heiße Tage auch "Tropentage".
In unseren Städten wird die Hitze des Tages dann wie in einem Backofen gespeichert, so daß es dort selbst in den Nächten oft noch bis ins Morgengrauen hinein drückend warm bleibt. Und häufig nimmt die heiße Luft auf ihrem Weg über das Mittelmeer auch noch so viel Feuchtigkeit auf, daß ihre "Schwüle" als unerträglich empfunden wird.
In Teilen Süddeutschlands sind Spitzentemperaturen von 37 oder auch 38 Grad möglich, es wurden aber auch schon Rekordwerte von bis zu 40 Grad gemessen. Und auch im Norden Deutschlands wurden schon über 35 Grad im Schatten beobachtet. Menschen mit labilem Kreislauf können derart tropische Verhältnisse überaus gefährlich werden, aber auch Pflanzen und Tiere leiden unter dem Bann der brütenden Hitze und müssen viel Flüssigkeit aufnehmen, um den ungewohnten Belastungen entgegenzuwirken. Oft dauert es Tage, bis heftige Gewitter endlich die erlösende Abkühlung bringen.
Daß die Zeit vom 23. Juli bis zum 24. August eines jeden Jahres auch als "Hundstage" bezeichnet wird, hat mit dem Wetter freilich nur wenig zu tun! Ihr Name geht vielmehr auf die altertümliche Astronomie zurück: Vor etwa 4000 Jahren, zur Blütezeit der ägyptischen Kultur, bezeichnete das Wiedererscheinen des leuchtenden Sterns "Sirius" am Morgenhimmel den Beginn des neuen Jahres. Sein Auftauchen am 19. Juli kündigte die stets zur Zeit der größten Sommerhitze wiederkehrenden Überschwemmungen des Nils an, welche fruchtbaren Schlamm vom Oberlauf des Stroms über die dörrenden Felder an seinem Unterlauf spülte und einen neuen Wachstums-Zyklus einleitete.
"Sirius" ist Hauptstern des Sternbildes "Großer Hund", das in der damaligen Zeit bis zum 20. August vollständig an den Morgenhimmel wiederkehrte. Im Lauf der Jahrhunderte verspäteten sich jene astronomischen "Hundstage" unter dem Einfluß der sogenannten "Präzession", einer Art Kreiselbewegung der Erdachse, allerdings zusehends, so daß sich die Hundsterne zur Zeit der Übernahme ihres Zyklus in unseren Kalender erst 4 Tage später, nämlich zwischen dem 23. Juli und dem 24. August wieder am Morgenhimmel zeigten.
Mittlerweile kehren die Sterne des Großen Hunds, nach mehrwöchiger Unsichtbarkeit, erst im Lauf des Augusts wieder an den Morgenhimmel zurück und in rund 10.000 Jahren wird sich dieser Zeitpunkt sogar bis in den Januar hinein verschoben haben, so daß die "Hundstage" dann, gemessen an ihrem astronomischen Ursprung, eigentlich mitten im Winter liegen müßten.
Weil aber unsere Jahreszeiten diese Verschiebungen natürlich nicht mitmachen, bleibt für den Volksmund alles beim Alten, d.h. die "Hundstage" stehen auch in Zukunft, für die heißeste Zeit des Sommers, sofern nicht gravierende Klimaschwankungen diesen Rhytmus dereinst aus dem Tritt bringen. Immerhin korrespondiert der kalendarische Zeitraum der Hundstage schon lange nicht mehr auch mit der klimatisch heißesten Zeit: Die findet hierzulande normalerweise schon rund 2 Wochen früher, nämlich etwa zwischen 10. Juli und dem 11. August statt.
Es ist anzunehmen, daß sie uns - trotz ihrer heurigen Verspätung - auch in diesem Jahr noch einige hitzige Tage und laue Nächte bescheren wird, bevor Mitte August auch die Hundsterne wieder am Himmel auftauchen werden.
Marburg, den 19. Juli 1998
copyright: Jürgen Vollmer, Marburg
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