(22) Die relative Luftfeuchtigkeit und ihre Bedeutung für unser Wetter

Neben dem Wind, der Temperatur und dem Luftdruck bestimmt noch eine weitere, wichtige meteorologische Größe darüber mit, welches Wetter wir bei der jeweils gerade herrschenden Wetterlage erwarten dürfen: Die Luftfeuchtigkeit! Ihr Wert gibt darüber Auskunft, wieviel unsichtbares Wasserdampfgas sich in der uns umgebenden Luft gerade befindet. Je trockener die Luft ist, umso besser ist ihre Fähigkeit Wasser durch Verdunstung aufzunehmen und so z.B. im Freien aufgehangene Wäsche zu trocknen.

Feuchte Luft enthält dagegen bereits so viel Wasserdampf, daß ihre Verdunstungskraft gering ist. Wenn sie auf kalte Flächen trifft, "kondensiert" ihre Feuchtigkeit in Gestalt winziger Wassertröpfchen und sie gibt überschüssigen Wasserdampf ab. Wir können diesen Effekt etwa beim Beschlagen kalter Getränkeflaschen oder Gläser direkt beobachten. Solche Wassertröpfchen "wachsen" dann rasch zu größeren Tropfen zusammen und perlen am Glas herab.

In der Natur läßt sich derselbe Vorgang an einem klaren, kalten Morgen in Form von Tau beobachten, der vorzugsweise stark abgekühlte Wiesen, aber auch die Metallflächen und die Scheiben abgestellter Autos benetzt. Sorgt dann tagsüber die Sonne für Erwärmung, verdunstet der Morgentau wieder. Die Ursache für dieses Phänomen: Sich erwärmende Luft dehnt sich aus und bietet aufgrund des wachsenden Abstands zwischen den einzelnen Luftmolekülen mehr Platz für Wasserdampfmoleküle, d.h. sie wird - bezogen auf ein bestimmtes Raumvolumen - scheinbar trockener und kann daher zusätzlichen Wasserdampf aufnehmen.

Kühlt sich Luft dagegen ab, so rücken ihre Moleküle wieder enger zusammen und der Platz für Wasserdampfmoleküle wird immer knapper. Und weil daraufhin - notgedrungen - auch die Wasserdampfmoleküle wieder enger zusammenrücken müssen, steigt auch der "relative" Feuchtegehalt des betroffenen Luftquantums bis der Zustand der "Sättigung" erreicht wird. - Kühlt sich die Luft noch weiter ab, so kondensiert der überschüssige Wasserdampf als Tau, Nebel oder Wolken aus oder sublimiert, bei Minustemperaturen, zu Reif und Eiskristallen.

Da die Entstehung von Nebel und Wolken nicht selten auch die Bildung von Regen und Schnee nach sich zieht, kommt der Messung des Feuchtegehalts der Luft für die Wetterprognose eine elementare Bedeutung zu: Je feuchter die heranwehende Luft ist, umso größer ist nämlich auch ihre Neigung, Wolken und - bei weiterer Abkühlung bzw. Übersättigung - Schneekristallen oder Regentröpfchen zu bilden. Enthält sie dagegen wenig Feuchtigkeit, macht in der Regel die Sonne das Rennen und es bleibt trocken.

Gemessen wird die Luftfeuchtigkeit mit einem Meßinstrument, das erstaunlicherweise am besten mit menschlichem Haar funktioniert, das sogenannte "Haarhygrometer"! Seine Funktionsweise basiert auf der Eigenschaft des Haares, sich im feuchten Zustand auszudehnen und beim trocknen wieder zusammenzuziehen. Diese feinen, bei Änderungen der Luftfeuchtigkeit von einem Haarbündel, der sogenannten "Haarharfe", auf einen Zeiger übertragenen Bewegungen, genügen, um mittels einer geeichten Skala, stets den bei der gerade herrschenden Temperatur vorhandenen, "relativen" Feuchtegehalt der Luft in Prozent ermitteln zu können...

Marburg, den 5. Juli 1998

copyright: Jürgen Vollmer, Marburg



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