21) Vom Leben und Sterben eines Tiefdruckgebietes
Wer öfter die Wetterkarte bzw. die Satellitenbilder im Fernsehen oder auch hier in unserem Online-Wetterdienst "Wetterleuchten" verfolgt, weiß, daß sich die geschwungenen Ausläufer von Tiefdruckzonen mitunter über große Entfernungen erstrecken. So reichen etwa die Schlechtwetterfronten des berühmten "Islandtiefs" vor allem im Winter, wenn die großen Temperaturgegensätze zur Bildung riesieger Sturmtiefs führen, nicht selten quer über den Nordatlantik und die Nordsee bis nach Mitteleuropa und von hier aus weiter über die Biskaya zurück auf den Atlantik, wo sie meist schon in das nächste Tief übergehen.
Derartige Wetterfronten verdanken ihre Existenz stets dem Ausgleichsbestreben zwischen warmen und kalten Luftmassen, die sich in den klimatisch gemäßigten Breiten unserer Erde, der "Westwindzone", unentwegt in`s Gehege kommen: Warmluft aus den Subtropen schwappt an der sogenannten "Polarfront" hier und da über die schwerere Kaltluft nördlicher Breiten hinweg, wobei in der Atmosphäre wellenartige Verwirbelungen entstehen.
Den Rest besorgt die Erdrotation: Sie setzt im Scheitel solcher Wellen eine auf der Nordhalbkugel stets gegen den Uhrzeigersinn gerichtete Drehbewegung in Gang. An der Ostseite des Drehzentrums wölbt sich daraufhin ein Warmluftstrom nach Norden und an seiner Westseite drängt kalte Luft nach Süden. Zugleich fällt der Luftdruck im Wellenscheitel wegen der dort am stärksten ausgeprägten Hebung der Luftmassen und schon ist ein Tief geboren...
Im Vorfeld seiner Warmfront schiebt sich die leichtere Warmluft über den nur träge zurückweichenden "Kaltluftberg", wobei ihre Feuchtigkeit zu Schichtwolken kondensiert, die je nach Jahreszeit anhaltenden Regen- oder Schneefall bringen. An der Kaltfront ist`s genau umgekehrt: Hier schiebt sich die schwerere Kaltluft unter die wärmere und drückt diese abrupt in die Höhe. Dabei bilden sich Quellwolken, die oft kräftige Schauer oder Gewitter bringen.
Je größer die Temperaturunterschiede an diesen Fronten sind, umso heftiger fallen auch ihre Wettererscheinungen aus. Erst wenn die meist schneller ziehende Kaltfront die vorausgehende Warmfront eingeholt hat, schwächt sich das Tief ab und es folgt Wetterberuhigung. Denn von diesem Entwicklungsstadium an, werden auch die Hebungsprozesse schwächer, - denn die Warmluft ist von der Kaltluft bereits vollständig in die Höhe gehoben worden und dadurch geht dem Tief schlichtweg der Nachschub an wetteraktiven Luftmassen. - Die Gegensätze haben sich weitgehend ausgeglichen...
Marburg, den 28. Juni 1998
copyright: Jürgen Vollmer, Marburg
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