(19) Die Mittsommernacht - Sommeranfang und Mitternachtssonne

Es ist mal wieder soweit: Während "unsere" Mannen nächsten Sonntag im französichen "Lens" um den Einzug ins Achtelfinale der Fußball-WM kicken, erreicht die Sonne auf ihrer scheinbaren Wanderung um die Erde den nördlichsten Punkt ihrer Bahn und berührt - noch während der ersten Halbzeit in Lens - pünktlich um 15:03 Uhr den Wendekreis des Krebses. Und diese Konstellation, bingt der Nordhalbkugel der Erde nicht nur den längsten Tag, sondern zugleich auch die kürzeste Nacht des Jahres, - kurzum: den kalendarischen Sommeranfang.

Überall in Skandinavien wird am Vorabend zu dieser "Sommersonnenwende" das traditionelle Mittsommernachtsfest gefeiert. Denn in dieser kürzesten Nacht des Jahres wird es nur ganz im Süden für etwa zwei bis drei Stunden dunkel. In den meisten Gebieten herrscht dagegen ein magisches Dämmerlicht, dessen Schimmer noch gut zum Lesen einer Zeitung ausreicht. Dabei "glüht" der Nordhimmel in allen nur erdenklichen roten und violetten Farbtönen und jenseits des Polarkreises, lacht - wenn Petrus mitspielt - sogar die Mitternachtssonne vom Himmel.

Bei schönem Wetter entschädigen solche zauberhaften Nordlandnächte manchmal mit mehr als 25 Grad Wärme für die langen, dunklen Wintermonate und so ist es nicht schwer, zu verstehen, daß die Mittsommernacht bei unseren nördlichen Nachbarn von Jung und Alt als ein Fest der Sonne und des Lebens gefeiert wird. - Kaum jemand tut in dieser Nacht ein Auge zu...

Auch in unseren Breiten bringt der kalendarische Sommeranfang den längsten Tag. Dabei steht die Sonne in Schleswig-Holstein mit mehr als 17 Stunden deutlich länger über dem Horizont, als im Alpenraum, wo die Tageslänge nur knapp 16 Stunden erreicht. Aber trotz des hohen Sonnenstandes und der so lang anhaltenden Sonneneinstrahlung, folgt die Zeit der größten Sommerhitze hierzulande stets erst im Juli und Anfang August.

Schuld an diesem scheinbaren Widerspruch ist die kühlende Wirkung der Ozeane, weil diese sich im Frühjahr bedeutend langsamer erwärmen, als das feste Land. Und durch diesen die Erwärmung hemmenden Einfluß der Meere "hinkt" auch die Umstellung der Atmosphäre zur typischen Sommerzirkulation dem Lauf der Sonne Jahr für Jahr um mehrere Wochen hinterher.

So dürfen wir also noch hoffen, daß der bisher eher unbeständige Sommer auch bei uns noch zur Höchstform auflaufen und uns noch viel Sonnenschein und Urlaubswärme bescheren wird...

Marburg, den 14. Juni 1998

copyright: Jürgen Vollmer, Marburg



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