(18) Ozon - das schützende Gift

"Da blickt doch keiner mehr durch: Erst heißt es, man solle nicht mehr in die Sonne gehen, weil die "schützende" Ozonschicht immer dünner würde! Und dann wird wieder vor dem "giftigen" Ozon gewarnt, das im Sommer wegen den Autoabgasen sogar im Überfluß entstehen, unsere Atemwege belasten, die Schleimhäute reizen oder gar die Lungen schädigen soll. - Brauchen wir nun also mehr Ozon oder tritt es tatsächlich so massiv auf, so daß für unsere Gesundheit schädlich ist?"

Im Zuge der öffentlichen Diskussion über den drohenden, globalen "Klima-Kollaps" fragen sich immer mehr Menschen, ob sie ihre Kinder während den Sommermonaten bald nur noch nachts zum Spielen ins Freie lassen, dafür aber demnächst Datteln oder Feigen im häuslichen Vorgarten kultivieren können. Die Behörden lassen klare Antworten leider ebenso beharrlich vermissen, wie die längst überfälligen, wirkungsvollen Maßnahmen gegen das Ozon-Problem...

Ozon bildet in der höheren Atmosphäre seit Jahrmillionen einen natürlichen Schutzschild gegen die im Sonnenlicht enthaltene, harte UV-Strahlung. Hauptfeind dieser in etwa 30 Kilometer Höhe wirksamen Ozonschicht war in den 80’-iger Jahren vor allem die in den Treibgasen von Spraydosen und in industriellen Kühlflüssigkeiten enthaltene Chemikalie "FCKW" (Fluor-Chlor-Kohlenwasserstoff), denn ihre sehr langlebigen Moleküle zerstören die atmosphärische Ozon-Schicht, so daß die UV-Strahlen der Sonne nicht mehr ausreichend ausgefiltert werden. Diese Tatsache wird in den nächsten Jahrzehnten einen dramatischen Anstieg von Hautkrebserkrankungen zur Folge haben.

Auch die von der Industrie entwickelten Ersatzstoffe sind hinsichtlich ihrer Wirkung auf die Ozon-Schicht keineswegs unumstritten und außerdem stehen auch hochfliegende Düsenjets unter Verdacht, an der immer noch fortschreitenden Zerstörung jener Schutzschicht beteiligt zu sein. Dieses Problem wird als "Ozonloch" bezeichnet. - Selbst ein sofortiger Verzicht auf sämtliche FCKW-Verbindungen bzw. auf deren unsichere Ersatzstoffe würde das Ozonloch erst in etwa 25 Jahren langsam wieder schließen.

Dagegen lassen die Stickoxide von Autoabgasen bei intensiver Sonneneinstrahlung Ozon in unmittelbarer Nähe des Erdbodens, also mitten in unserem Hauptlebensraum entstehen! Und hier wirkt Ozon hochgiftig! Es verursacht den sogenannten "Sommersmog", der zu ernsten Erkrankungen der Atenwege, sowie zu massiven Beeinträchtigungen der Lungenfunktion - vor allem bei Kindern und älteren Menschen - führen kann.

Ein Kuriosum am Rande: Nachts bauen die für diesen Sommersmog ursächlichen Stickoxide aus den Autoabgasen das tagsüber gebildete Giftgas - mangels Sonnenlicht - wieder ab, - vorausgesetzt ein lebhafter Autoverkehr liefert auch dann die nötige Menge an Abgasen. Da dies gerade in den sogenannten "Reinluftgebieten" außerhalb unserer Ballungszentren nicht der Fall ist, sammeln sich bei längeren, sommerlichen Schönwetterperioden ausgerechnet hier die größten Ozonmengen an.

Daher raten die Behörden Kindern und älteren Menschen bei Ozon-Wetterlagen, also ausgerechnet an den schönsten und heißesten Tagen des Jahres, konsequent von einem längeren Aufenthalt bzw. von größeren Anstrengungen im Freien ab, anstatt den Verursacher des Übels, unseren Individualverkehr, wenigstens zwischen 11 und 18 Uhr radikal aus unseren Städten und Siedlungen zu verbannen! Der von einigen Bundesländern eingeführte "Ozon-Alarm" mit Geschwindigkeitsbegrenzungen ist allenfalls ein Ansatz, aber keine tatsächliche Lösung des Problems. So kommt es, daß uns der PKW-Verkehr sommers mit exakt dem gleichen Gas quasi als Abfallprodukt vergiftet, dessen elementare Schutzfunktion in der Stratosphäre derweil in immer bedrohlicherem Maße dahinschwindet - ver-rückte Welt...

Marburg, den 7. Juni 1998

copyright: Jürgen Vollmer, Marburg



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