16) Vom Ursprung des Lebens: Meere regneten vom Himmel
Gewaltige Kohlenflötze unter dem Eispanzer der Antarktis aber auch Funde von versteinerten tropischen Palmenarten auf Spitzbergen lassen es erahnen: Die Geschichte des Klimas unserer Erde und die Entwicklungsgeschichte des Lebens auf unserem Heimatplaneten sind seit Urzeiten aufs engste miteinander verbunden! - Ihrem atemberaubend wechselvollen Zusammenspiel verdanken wir letztendlich auch die wichtigsten Voraussetzungen, welche zur Entstehung und Entfaltung der menschlichen Kultur erforderlich waren...
Wir gehen rund eine Milliarde Jahre in die Vergangenheit zurück und es herrschte, nach heutigen Maßstäben, ein ausgemachtes "Sauwetter": Seit Jahrmillionen regnete es praktisch pausenlos. Dabei handelte es sich nicht um einen jener gemächlichen Landregen, wie sie uns heutzutage gelegentlich die Sonntagslaune verderben, - nein, es ergossen sich unaufhörliche Sturzfluten aus einem fahl-verhangenen, dämmrigen Wolkenhimmel, der nur vom grellen Flackerlicht gewaltiger Blitz-Salven magisch erhellt wurde.
Gigantische Regenmengen strömten zu jener Zeit in den weiten Becken der gerade erst erkaltenden Erdkruste zusammen und bildeten so nach und nach die "Ur-Ozeane", eine unwirtliche Wüste orkangepeitschter Wassermassen, die nach und nach fast drei Viertel der jungen Erde überdeckten.
Die atmosphärische Abkühlung vollzog sich damals nur sehr langsam, und vom Äquator bis zu den Polen herrschten Temperaturen zwischen 20 und 40 Grad. Die Atmosphäre enthielt Kohlendioxid, Stickstoff, Ammoniak, Methan und den von unzähligen, aktiven Vulkanen pausenlos ausgespienen Wasserdampf. Und dieses chemische Gas-Gemisch löste sich auch in den gerade entstehenden Ozeanen.
Die gigantischen Energiestöße milliardenfacher Blitzeinschläge ließen in den folgenden Jahrmillionen in jener ozeanischen "Ur-Suppe" nach und nach einfache, organische Moleküle entstehen. Aber erst, als sich unter dem Dauerfeuer der elektrischen Entladungen auch das erste Clorophyll-Molekül gebildet hatte und nachdem sich die kilometerdicken Wolken ganz allmählich gelichtet hatten, vermochte sich binnen weiterer Jahrmillionen eine tropische Fauna vorsichtig auch über den vergleichsweise "trockenen" Festländern der Erde auszubreiten.
Ihr üppiges Pflanzenkleid "verbrauchte" fortan im Zusammenwirken mit Sonnenlicht und Regenwasser das im Überfluß vorhandene Kohlendioxid und gab Sauerstoff an die sich permanent umwandelnde Erdatmosphäre ab. Und so wurde vor mehr als 500 Millionen Jahren der Grundstein für den Stoffwechsel aller späteren Lebensformen gelegt. Das Wetter unseres Heimatplaneten "Erde" war daher an allen lebensstiftenden Vorgängen jener Ur-Atmosphäre maßgeblich beteiligt, ebenso wie es auch heute noch immer wieder Einfluß auf die Geschicke unseres Lebens nimmt...
Marburg, den 24. Mai 1998
copyright: Jürgen Vollmer, Marburg
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