(13) Frühlingsgewitter: Lärmendes Spektakel an der Schwelle zum Sommer
Kaum mehr als 2 Wochen liegt es zurück, als die letzten kräftigen Schneefälle dieser Saison im Schwarzwald und in Oberbayern machtvoll demonstriert haben, daß die Regentschaft des Winters mitunter noch bis weit ins Frühjahr hinein anhalten kann. Im Nordosten Skandinaviens und in Nordrußland, wo immer noch reichlich Schnee liegt, sinken die Temperaturen nachts sogar immer noch unter minus 5 Grad.
Badewetter mit Temperaturen bis 25 Grad im östlichen Deutschland und Tauwetter bis in die Hochlagen der Alpen hinauf, ließen dagegen am vergangenen Wochenende die dort noch meterdicken Schneedecken kräftig zusammenschrumpfen, bevor aus dunkelgrauen Wolken prompt auch schon wieder jenes typische Grummeln zu vernehmen war, welches sommerliche Donnnerwetter hervorzubringen pflegen.
Heftige Unwetter polterten dabei vor allem über Südwestdeutschland hinweg, verursachten sintflutartige Wolkenbrüche mit massiven Hagelschlägen und brachten nahe dem südhessischen Gernsheim sogar einen kleinen Tornado hervor, der immerhin noch genug Energie freisetzte, um in der schmalen Schneise seiner Zugbahn Dächer abzudecken und Bäume zu entwurzeln. - Kurzum, - nach dem bisher so unfreundlichen Frühjahr hat sich die Witterung hierzulande scheinbar übergangslos auf den Sommerfahrplan umgestellt.
Zwar kann es durchaus auch einmal in den kalten Wintermonaten blitzen und donnern, - etwa, wenn eine Kaltfront mit Sturmböen über das Land hinwegfegt -, aber die dennoch eher seltenen Wintergewitter brummeln nur kurz und sind meistens schon nach wenigen Minuten wieder vorbei. Sommergewitter dauern dagegen meist wesentlich länger und setzen außerdem ein ungleich größeres Energiepotential frei, als winterliche Donnerwolken.
So weisen Gewitter im Sommerhalbjahr eine weitaus größere Blitzhäufigkeit auf, als solche im Winter, wobei vor allem die Zahl der elektrischen Entladungen zwischen den Wolken und der Erde dramatisch zunimmt. Während es im Winter nämlich meistens nur hin und wieder einmal - vor allem zwischen den Wolken - blitzt, bringt es ein gut entwickeltes Sommergewitter in kurzer Zeit leicht auf Hunderte der so gefährlichen "Erdblitze". - Hinzu kommt in der Regel noch einmal die Doppelte Anzahl an Blitzen, die "von Wolke zu Wolke" springen.
Weltweit entladen sich täglich Hunderte von Gewittern in Tausenden und Abertausenden von Blitzen und zwar vor allem in den ganzjährig warmen Tropen, wo der himmlische Motor Sonne schier unerschöpfliche Energiepotentiale ständig in Bewegung hält. - Und immer dann, wenn sich die Sonne auf ihrer scheinbaren Wanderung am Firmament der Nordhalbkugel unserer Erde zuwendet, weckt sie auch hier die latente Bereitschaft der Atmosphäre, gewaltige Gewitterwolken zu entwickeln.
Und damit hat auch bei uns wieder die Zeit begonnen, in der Nachtschwärmer in schwülen Nächten gelegentlich jenes eindrucksvolle "Wetterleuchten" beobachten können, das vom Widerschein der Blitze aus weit entfernten Gewittern hervorgerufen wird...
Marburg, den 3. Mai 1998
copyright: Jürgen Vollmer, Marburg
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