Meteoritenfieber
Chronologie der Ereignisse

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Am Dienstag, den 9. Dezember um 05:21 Ortszeit leuchtet ein Meteorit am Nachthimmel über Grönland auf und stürzt von Nordwest nach Südost. Er erhellt 4 Sekunden lang den Himmel über eine Distanz von mehreren Hundert Kilometern und macht in dieser Zone die Nacht zum Tag.

Zahlreiche Augenzeugen beobachten das Ereignis und machen im Wesentlichen übereinstimmende Angaben zu dem Vorgang.

Einige Zeugen berichten noch in 100 Kilometer entfernt gelegenen Siedlungen von „Orkanböen“, die offenbar durch eine gewaltige Druckwelle bei der Explosion des Meteoriten hervorgerufen worden waren.

Seismische Stationen registrieren zu diesem Zeitpunkt Erschütterungen noch in Norwegen und Finnland.

In den Mittagsstunden desselben Tages erscheint über der Südostspitze Grönlands eine mysteriöse Wolke, von der zunächst vermutet wird, dass es sich um eine gewaltige Explosionswolke des Meteoriten handeln könnte.

Am Wochenende 14./15.12.97 berichtet das Dänische Fernsehen von der Meteoritenbeobachtung. Gezeigt wird eine Videosequenz, die von einer automatischen Kamera aufgenommen worden ist und die Leuchterscheinung des Meteoriten wiedergibt.

Am 20.12.97 berichtet der „International Herald Tribune“ ausführlich von dem Ereignis und auch andere Internationale Medien nehmen die Berichterstattung auf. Nur in der Bundesrepublik wartet man vergeblich auf eine - wenigstens kurze - Pressenotiz. - Lediglich im Internet werden die wenigen, dort erhältlichen Nachrichten über den Vorfall zwischen Amateurastronomen ausgetauscht, - der Informationswunsch - das wird dabei deutlich - ist gross und das Wissen leider nur äusserst spärlich.

Am 24.12.97 berichtet die in Marburg erscheinende „Oberhessische Presse“ aufgrund eines Hinweises des Marburger Amateurastronomen „Winfried Kräling“ über das Ereignis.

Montag, den 29.12.97: "Wetterleuchten" stellt die vorliegende Sonderseite mit den Satellitenbildern gegen 13:30 Uhr ins Net.
ARD-Fernsehmeteorologe Jörg Kachelmann greift die Wetterleuchten-Informationen auf und bringt um 19:54 Uhr innerhalb seiner allabendlichen Wetterpräsentation Bilder des Ereignisses.

Dienstag, den 30.12.97: dpa bestätigt in einer Presse-Meldung unter der Schlagzeile "Meteoritenjagd in Grönland" den Meteoriten-Impakt und spricht unter Bezug auf das Kopenhagener "Tycho-Brahe-Planetarium" von zahlreichen Augen- und Ohrenzeugen des Ereignisses, - insbesondere aus dem Hauptort "Nuuk" und der kleineren Gemeinde "Fiskenaesst", das "über eine Distanz von 800 Kilometern die Nacht zum Tag gemacht haben" soll. dpa berichtet weiter, "starke Windböen" hätten diesen Vorgang begleitet und seismologische Stationen in Norwegen und Finnland hätten die hervorgerufenen Erschütterungen registriert. Ein mit besonderen Radareinrichtungen ausgerüstetes Aufklärungsflugzeug werde zu Beginn des neuen Jahres am 2./3. Januar die Suche nach dem vermuteten Einschlagskrater aufnehmen. - Schlagzeile und Inhalt dieser Meldung entsprechen im übrigen sehr weitgehend dem bereits am 20. Dezember 1997 im "International Herald Tribune" erschienenen Artikel.

Am Abend des 30. Dezember 1997 berichtet der TV-Sender RTL dann in seiner Hauptnachrichtensendung über den Meteoriteneinschlag, wobei Interviews mit Winfried Kräling und Jürgen Vollmer im Mittelpunkt des Beitrags stehen. Gedreht wurde in der Volkssternwarte Marburg in Kirchhain. Auch ein Sprecher der ESA in Darmstadt nimmt zu dem Vorfall, seinen Auswirkungen und zu dem Risiko künftiger Meteoriteneinschläge ähnlicher Dimension Stellung!

Mittwoch, den 31.12.1997: Neue Fakten oder Veröffentlichungen werden nicht bekannt, - die Welt feiert den Jahreswechsel 1997/1998 mit ausgesprochen irdischen Feuerwerkskörpern...

In den ersten Januartagen suchen Spezialflugzeuge auf Grönland nach dem möglichen Krater des Himmelskörpers. Gleichzeitig ist das Ereignis Gegenstand lebhafter Fachdiskussionen im Internet. Dabei werden immer mehr Stimmen laut, die einen Zusammenhang der von Satellitenbildern aufgenommenen Wolke mit dem möglichen Meteoriteneinschlag in Zweifel ziehen.

"Wetterleuchten" beschliesst, die auffällige Wolke von Experten untersuchen zu lassen, denen hochauflösende Satellitenbilder zur Verfügung stehen.

Am 9. Januar wird im Internet gemeldet, dass im Süden Grönlands ein 1 Kilometer grosser Krater gesichtet worden sei. Der genannte Durchmesser würde zu einem Ereignis der Grössenordnung passen, wie sie anfangs zunächst anhand der als Folgeerscheinung des möglichen Impakts betrachteten Wolke vermutet worden war. - Eine Bestätigung der Sichtung eines Einschlagkraters durch Radarabtastung des fraglichen Gebietes kann jedoch nicht gegeben werden.

Am Mittag desselben Tages erhält "Wetterleuchten"die ersten fernmündlichen Informationen darüber, dass die mysteriöse Wolke vermutlich nicht mit dem Meteoriteneinschlag in Zusammenhang steht. Vielmehr handele es sich bei derselben zwar um eine nicht ganz gewöhnliche, jedoch durchaus mit meteorologischen Gesetzmässigkeiten erklärbare Erscheinung.

Aufgrund der neuen Informationslage können wir nur feststellen, dass an einunddemselben Tag zwei von einander unabhängige, aber recht seltene Ereignisse über dem gleichen Gebiet beobachtet werden konnten. - Beide, sowohl die merkwürdige Wolke, als auch der durch zahlreiche Beobachtungen gesicherte Meteoritenfall lassen immer noch viele Fragen offen, und so bleibt uns nur zu resumieren, dass die Natur um uns herum auch heutzutage immer noch voller Rätsel für uns steckt...

Marburg, 10.1.98:

Das Ergebnis von Untersuchungen der mysteriösen Wolke, um die wir einen Experten in Sachen Satellitenbild- und Fernerkundung gebeten hatten, liegt uns inzwischen vor und es lässt kaum einen Zweifel daran, dass die Meteoritenbeobachtung einerseits und das Erscheinen der seltsamen Wolke andererseits vermutlich nicht in Zusammenhang miteinander stehen. - Eine ausführliche Beschreibung der Eigenschaften dieser Wolke finden Sie auf unserer Seite "Kommentierte Satellitenbilder der mysteriösen Wolke".

Astronomen halten es indessen für möglich, dass der Himmelskörper nicht auf dem Eisschild Grönlands aufgeschlagen ist, sondern - ähnlich wie der Tsunguska-Komet von 1908 - in geringer Höhe über der Erdoberfläche explodiert sein könnte. Dies würde auch erklären, wieso eindeutige Kraterspuren bisher offenbar nicht nachgewiesen werden konnten und warum nur recht schwache, seismische Signale aufgefangen wurden. über Grösse und Masse des Meteoriten kann bis zu einer eindeutigen Identifikation des Einschlags- bzw. Explosionsortes jedenfalls keine Aussage getroffen werden. Eine Bestätigung der Meldung, dass ein rund 1 km grosser Krater gesichtet worden sei, liegt unterdessen immer noch nicht vor.

12.1.98:

Das Magazin „Der Spiegel“ berichtet in seiner aktuellen Ausgabe (Nr. 3/98) über den Meteoriten und zeigt eine Bildsequenz der von dem Ereignis, die von einer automatischen Kamera in „Nuuk“ aufgenommen worden ist. Im „Spiegel“-Interview äußert sich Holger Pedersen vom Kopenhagener „Niels-Bohr-Institut für Geophysik#147; dahingehend, daß man davon ausgehe, daß der von zahlreichen Augenzeugen beobachtete Meteorit eine Größe von mehreren Metern gehabt haben könnte und wahrscheinlich überwiegend aus Eisen bestand.

Der Artikel enthält auch Angaben zur Geschwindigkeit des kosmischen Geschosses: Demnach raste der Meteorit der Erde mit satten 180.000 Stundenkilometern entgegen, was etwa 50 Kilometern pro Sekunde entspricht!

Auch das Marburger Stadtmagazin „Express“ berichtet am 15.1.98 über das Ereignis. In einem Interview erläutert der Marburger Amateurastronom „Winfried Kräling“ darin seine Vermutung, daß es sich bei dem Boliden um einen Splitter des Kleinplaneten „2300 Phaeton“ gehandelt haben könnte. Bei „Phaeton“ könnte es sich, so Kräling, um einen „ausgebrannten“ Kometenkern handeln, der im Übrigen mit dem Meteoritenschwarm „Geminiden“ in Zusammenhang gebracht wird. Und eben diese „Geminiden“, ein periodisch jedes Jahr zur gleichen Zeit wiederkehrender Meteoritenschwarm (der vermutlich aus zerfallender Substanz von „Phaeton“ besteht), stand kurz nach dem Meteoritenfall von Grönland kurz vor seinem Maximum. Das heißt, die Erde kreuzte den Strom der „Geminiden“ kurz nach dem Treffer von Grönland.

Marburg, den 17. Januar 1998

 

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© by Jürgen Vollmer, Marburg, 1998

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