November 2000.: "Leoniden" diesjahr unspektakulär

Dafür 2001 und 2002 heftige Leonidenstürme in Aussicht

Nachdem sich der Meteorsturm der "Leoniden" im letzten Jahr zu einem echten Highlight entpuppt hatte - am frühen Morgen des 18. November ging der zweitstärkste Sternschnuppenregen dieses Jahrhunderts nieder - warten die Astronomen gespannt darauf, was dieser alljährlich wiederkehrende Sternschnuppenschwarm in diesem Jahr an Überraschungen für uns bereit hält! - Es spricht allerdings einiges dafür, dass im November 2000 kein eindrucksvoller Meteorsturm auftreten wird. Erst für das Jahr 2001 wird wieder mit einem spektakulären Feuerwerk am Nachthimmel gerechnet. - Hierzu veröffentlichen wir die Stellungnahme des Hobbyastronomen Bernhard Deufel, der die Ursachen der periodisch wiederkehrenden Leonidenstürme und insbesondere die Gründe für die von ihm erwarteten, besonders eindrucksvollen Leonidenstürme im nächsten und übernächsten Jahr erläutert. - Wer mag, kann im Anschluß unsere plastische Reportage zu dem Leonidensturm vom 18. November 1999 nachlesen, denn wenn Herrn Deufels Erwartungen in Erfüllung gehen, dürften die für nächstes und übernächstes Jahr zu erwartenden Leonidenstürme die hier wiedergegebenen Schilderungen noch bei weitem in den Schatten stellen..

Hier nun Herrn Deufels Ausführungen:

Mit den Leoniden ist es erst mal nicht vorbei: eine Forschergruppe aus England scheint die Mechanik dieses Stroms sehr gut im Griff zu haben. Die haben z.B. das 99-iger Maximum fast auf die Minute genau vorhergesagt. Die Erde flog durch Partikel durch, die der Komet 1899 "verloren" hat. Nach deren Modellrechnungen wird naechstes Jahr kein Sturm erwartet, 2001 wird die Erde aber fast gleichzeitig durch Partikel aus den Jahren 1699 und 1866 durchfliegen und ein Sturm mit 25000/h wird erwartet (leider nicht von Europa aus sichtbar). Im Jahr 2002 schliesslich geht die Erde zentral durch den 1866 Bereich durch - wieder werden 25000/h erwartet ueber Europa sichtbar, aber leider ist Vollmond. Siehe auch unter http://www.arm.ac.uk/leonid/index.html. Es handelt ich hier um serioese, wissenschaftliche Angaben.

Im Jahr 2032/33 wird es wohl KEINEN Leoniden Sturm geben. Tatsaechlich wird die Bahn des Kometen (und der Sturmkomponenten) durch Jupiter derart gestoert, dass bei seiner naechsten Wiederkehr die Bahnen der Partikel leicht ausserhalb der Erdbahn verlaufen. Der Lichtdruck der Sonne wird die Partikel damit noch weiter von der Erdbahn wegdruecken, so dass es fuer viele Jahrzehnte keine Leonidenstuerme mehr gibt.

Übrigens: Die Leoniden im Jahre 1998 waren keineswegs enttaeuschend, sie wurden nur von der Presse kleingeredet, da schlechtes Wetter herrschte und tatsaechlich der "Sturm" ausblieb. Tatsache ist aber, dass es 1998 einen der beeindruckensten Feuerkugelregen in der ueberliefterten Astronomiegeschichte gab. Die Raten lagen zwar nur bei ca. 200/h. Dafuer war fast jede Sternschnuppe so hell wie die Venus. Nicht selten gab es vollmondhelle Feuerkugelen (!), die Schweife (Ionisationskanaele) nach sich zogen, die mehrere Minuten lang nachleuchteten. Auch hier ist bekannt, was passiert ist: die Erde flog durch Partikel durch, die der Komet 1333 verloren hatte. Die grossen Bruckstuecke (ca. 1-2cm) sammelten sich in einer Gravitationsresonanz. Die kleinen Staubanteile wurden seit 1333 vom Lichtdruck der Sonne weggedrueckt. Somit flog die Erde durch einen Schwarm grosser Meteoride durch - es muss ein unvorstellbar eindrucksvolles Feuerwerk gewesen sein.

Bernhard Deufel

 

Und hier nun unsere Reportage zum Meteorsturm der Leoniden vom 18. November 1999. Sie basiert auf den Beobachtungen des Marburger Amateurastronomen Winfried Krähling, der auch unseren monatlichen Sternenhimmel kommentiert:

Die Schilderungen beziehen sich auf den 18. November 1999:

Beobachtet werden konnte das himmlische Schauspiel indessen nur von einer kleinen, vom Wetter her begünstigten Zahl von Sternfreunden, denn fast über ganz Deutschland verbarg sich der Sternenhimmel hinter einer mehr oder weniger dichten Wolkendecke. Nur im äußersten Norden und Nordwesten, sowie in Teilen des mittleren Deutschlands bekamen die Wolken gerade noch rechtzeitig vor dem Ereignis, das seinen Höhepunkt gegen 03:18 Uhr erreichte, für eine gezielte Beobachtung ausreichende Lücken.

So konnten im Norden Deutschlands zwischen stramm dahinziehenden Schauerwolken zwischen 03:00 Uhr und 03:30 mehrere Hundert Sternschnuppen beobachtet werden, deren hellste Objekte sogar durch dünnere Wolkenschichten hindurchschimmerten. Zeitweise seien mehrere Meteore gleichzeitig über den Himmel gehuscht, so ein Beobachter aus der Nähe von Kiel.

Noch besser getroffen hatte es der Marburger Hobbyastronom Winfried Kräling, der auch die monatlichen Erläuterungen zum Sternenhimmel (siehe Rubrik "Astrowetter") unseres Services verfasst. Für ihn zahlte sich das lange Ausharren nämlich aus: Obwohl noch kurz vor dem Ereignis ein Schneeschauer über seinen Beobachtungsort hinwegzog und die Sicht zum Himmel versperrte, gab er nicht auf - und - wurde mit einem unerwartet prachtvollen Sternschnuppenregen belohnt:

Mehr als 400 Meteore zählte Kräling trotz dem Wolkenhandicap in der Zeit zwischen 01:00 Uhr und 03:32 Uhr. Davon jagten allein 300 in dem schmalen 20-Minutenfenster von 03:10 Uhr bis 03:32 Uhr am Firmament entlang, in welchem sich das sogenannte "spitze" Maximum der Leoniden ereignete. Dieses Maximum lag nach Krälings Beobachtungen um 03:18, hatte er doch in den zwei Minuten seit 03:16 stolze 50 Sternschnuppen, einige sogar mit bläulich oder grünlich nachleuchtenden, Schweifen gezählt. Auch er konnte bisweilen mehrere Meteore gleichzeitig aufglühen sehen, - ein Erlebnis von unvergesslicher Schönheit für den leidenschaftlichen Sternfreund.

Schuld an dem kosmischen Schauspiel der besonderen Art ist ein Komet, dessen Bahn die Erde Jahr für Jahr Mitte November durchquert. Es ist der Komet "55P/Tempel-Tuttle", der alle 33 Jahre in die Nähe der Erde kommt und zuletzt im Frühjahr 1998 seinen sonnennächsten Punkt durchlaufen hat. Kometen sind - salopp gesagt - "schmutzige Eisberge" mit eingelagerten Gesteins- und Staubpartikeln. Kommt nun ein Komet in Sonnennähe submiliert (verdampf) das Eis, Staubpartikel werden freigesetzt und können einen eindrucksvollen Schweif bilden, wie dies zuletzt sehr schön bei dem Kometen "Hale-Bopp" im Frühjahr 1997 zu beobachten war.

Anschließend verteilen sich diese Partikel auf der Umlaufbahn des Kometen, wobei die räumliche Dichte in Kometennähe am größten ist. Damit erklärt sich auch, daß es nicht in jedem Jahr zu einem auffälligen Meteorschauer kommt, wenn die Erde die Umlaufbahn des Kometen durchquert. Denn nur dann, wenn dieser kurz vorher "frisches" Staubmaterial freigesetzt hat, kann sich die Erde auch als "kosmischer Staubfänger" betätigen. Als sich der Komet "55/Tempel-Tuttle" das letzte Mal im Jahre 1966 in Erdnähe befand, konnte ein wahrer Meteorsturm mit bis zu 40 Meteoren pro Sekunde beobachtet werden. Dabei handelte es sich um den stärksten Meteorsturm dieses Jahrhunderts. In den meisten Jahren sind dagegen nur ein paar einzelne Sternschnuppen zu sehen.

Aus historischen Quellen lässt sich dieser, etwa alle 33 Jahre besonders intensive Meteorstrom, übrigens bis zur Zeit um 900 n.Chr. zurückverfolgen. Da sich die Erde während ihres Umlaufs um die Sonne Mitte November auf das Sternbild Löwe - lateinisch "Leo" - zubewegt, scheinen alle Meteore aus diesem Sternbild zu kommen. Daher spricht man bei diesen Meteoren auch von den "Leoniden".

Wenn nun die Erde mit den nur etwa 0,2 bis 2mm dicken Staubpartikeln des Kometen zusammenstößt, verglühen diese in der Atmosphäre, was an der Leuchtspur zu erkennen ist. Es besteht also keine Gefahr für die Menschen unterhalb der schützenden Atmosphäre. Gefährlich kann es allerdings für Satelliten werden: Bei einer Kollision mit einem der Staubteilchen, welches immerhin mit der atemberaubenden Geschwindigkeit von ca. 71 km /sek (255.000 km/h) den Satelliten treffen würde, wird eine kinetische Energie von 30 Joule bis 35 Kilojoule freigesetzt. Der niedrigere Wert enspricht etwa der Energie eines kräftigen Hammerschlages, der höhere hat ca. die zehnfache Energie einer Gewehrkugel. Schäden an Satelliten, von leichteren Störungen bis hin zum Totalausfall, sind daher leicht möglich, so daß es aufgrund derartiger Meteorschauer durchaus auch zu Störungen bei Telefonverbindungen und TV- Übertragungen via Satellit kommen kann.

Mit dem eindrucksvollen Sternschnuppenregen vom 18. November 1999 dürfte es nun aber erst einmal wieder etwas ruhiger werden um die Leoniden. Dennoch mag es vielleicht verwundern, daß die nächsten Meteorstürme der Leoniden nicht etwa in 33 Jahren, sondern bereits in den Jahren 2001 und 2002 zu erwarten sind...

Jürgen Vollmer und Winfried Kräling

Marburg, am Do, den 25. November 1999

 

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