3. Mai 99:

KILLER-TORNADOS VERWÜSTEN OKLAHOMA !

Über Todbringende Tornados und wie sie entstehen

Als im Frühsommer 1995 die ersten Gewitter mit Schlagregen und kräftigen Sturmböen über Teile Niedersachsens hinwegfegten, deckte eine sogenannte "Windhose" in Hannover mehrere Dächer ab und richtete binnen wenigen Minuten Millionenschäden an. Für wenige Augenblicke entfesselte die Natur dabei ähnliche Gewalten, wie sie alljährlich in Gestalt der berüchtigten, nordamerikanischen Tornados - die dort auch als "Twister" bezeichnet werden - Schneisen der Verwüstung zu hinterlassen pflegen...

Tornados, die heftigsten Windsysteme der Erde, sind im Unterschied zu den bis zu 1000 Kilometer Durchmesser erreichenden tropischen Wirbelstürmen, den "Hurrikans" oder auch "Taifunen", meist nur einige Dutzend Meter breit. Ihr schlauchartig von mächtigen Gewitterwolken bis auf den Erdboden herabreichender Sturmrüssel erinnert an den rotierenden Wasserstrudel, der nach dem Herausziehen eines Badewannenstösels über dem Abfluß entsteht.

Tornados sorgen in Begleitung von heftigen Gewittern stets dort in den USA für Angst und Schrecken, wo ein Tiefdruckgebiet auf sehr warme Luftmassen trifft. Dabei kommen verschiedene, mögliche Entsstehungsursachen zum Tragen:

Entweder prallt trocken-heiße Wüstenluft an der sogenannten "Dry-Line" auf Meeresluft, die sich zuvor über dem Golf von Mexiko mit Feuchtigkeit vollgesogen hat. Und weil sich die trockene Wüstenluft im Bereich von emporschiessenden Gewitterwolken mit zunehmender Höhe zunächst rascher abkühlt, als die feuchte Warmluft, entstehen in der Atmosphäre auf engstem Raum große Temperaturunterschiede. Starke Höhenwinde können dadurch mit großem Schwung relativ kalte Luftpakete über Teile der feucht-warmen Luftschichten hinwegschieben.

Eine zweite Möglichkeit, die zur Entstehung von Tornados oder "Twisters" führen kann, besteht darin, daß kalte Luft von den weiten Prärien Nordamerikas mit stürmischem Wind direkt auf feuchte Warmluft trifft und diese aufgrund ihres Schwungs - trotz ihrer größeren spezifischen Dichte - in einiger Höhe zunächst überströmt. Dies geschieht innerhalb sogenannter "Superzellen", gigantischen Gewitterwolken, die sich zu riesigen Clustern zusammenschließen und dabei - wie ein Minitief - sogar eine eigene zyklonale Zirkulation ausbilden können. D.h. die aufsteigenden Wolkenmassen geraten zusätzlich in eine Rotationsbewegung.

An den Stellen, an denen die vom Boden emporquellende Warmluft nun in der Höhe von kälterer Luft überströmt wird, durchbricht sie den Kaltlufteinschub schlagartig. Dabei entsteht ein gewaltiger, aufwärts gerichteter Sog-Strudel, - der Tornado ist geboren! Die Windgeschwindigkeit innerhalb der kreisenden Luftsäule seines Rüssels kann weit über 400 Stundenkilometer erreichen! Und durch das plötzliche Hochsaugen der Luft entsteht am Erdboden auf engstem Raum und binnen Bruchteilen von Sekunden zugleich ein starker Unterdruck, der bis auf zwei Drittel des normalen atmosphärischen Luftdrucks fallen kann.

Lange Zeit ging man davon aus, daß dieser enorme, in allerkürzester Zeit auftretende Druckverlust, Hauptursache für die verheerenden Schäden entlang der Zugschneise eines Tornados sei. Da die eingeschlossene Luft nicht schnell genug entweichen kann, so jene These, explodieren die gerade in Nordamerika häufig sehr leicht gebauten Häuser von Innen heraus, bevor sie der zerstörerischen Gewalt des Sturms endgültig zum Opfer fallen. - Inzwischen haben empirische Untersuchungen jedoch bewiesen, daß es tatsächlich allein die gigantischen Kräfte des Windes im Tornadorüssel sind, welche die katastrophalen Schäden auslösen.

In den USA unterscheidet man Tornados - ähnlich wie Hurrikans - in 5 genau festgelegten Intensitätsklassen. Diese Intensitätsklassen werden mit F-1 bis F-5 bezeichnet. Die vergleichsweise "harmlosesten" Twister, "F-1-Tornados", durchmessen nur wenige Dutzend Meter und lösem sich meist schon nach wenigen Minuten wieder auf. - Die heftigsten dieser Wirbelstürme, "F-5-Twister" können Durchmesser von mehreren Hundert Meter erreichen, wobei die Windgeschwindigkeiten eines F-5-Sturms innerhalb der rotierenden Sturmsäule nach der Skala mindestens 419 Stundenkilometer betragen müssen. Sie können aber durchaus auch 500 Stundenkilometer erreichen oder sogar noch übersteigen.

Kein Wunder also, daß entlang der Zugbahn eines ausgewachsenen F-5-Tornados kaum ein Stein auf dem anderen bleibt, Autos, Boote, ja sogar kleinere Flugzeuge wie Spielzeug durch die Luft gewirbelt und oft erst kilometerweit entfernt wieder aufgefunden werden. - Während die USA jährlich von rund 800 dieser gefährlichen Wirbelstürme heimgesucht werden, treten hierzulande im gleichen Zeitraum meist nur ein bis zwei vergleichsweise harmlose "Windhosen" auf. - Aber auch Tornados der Klassen F-2 und F-3 wurden in Deutschland schon beobachtet. So richtete z.B. ein F-3-Tornado im Jahre 1969 in der Nähe von Pforzheim Millionenschäden an...

Es muß davon ausgegangen werden, daß bei weiter fortschreitender Erwärmung der Erdatmosphäre, wie sie durch den immer noch viel zu hohen Eintrag von CO2 nach allen Klimavorhersagemodellen zu erwarten ist, die Zahl und die Wucht derartiger Stürme nicht nur weiter zunehmen wird, sondern daß sich auch ihre Verbreitung auf Regionen ausdehnen wird, die bisher verschont geblieben sind. - In den amerikanischen Bundesstaaten Kansas und Oklahoma gilt die Tornadoserie vom 3. Mai 1999 als die gewaltigste seit Beginn der Aufzeichnungen: So entstanden allein an der Gewitterfront dieses Tages innerhalb weniger Stunden weit über 50 Tornados, deren heftigster, ein riesiger F-5-Tornado, ausgerechnet die Stadt OKLAHOMA-CITY traf und Dutzende von Menschenleben forderte...

Jürgen Vollmer

Marburg, am So, den 22. März 1998
überarbeitet und aktualisiert am Mittwoch, den 5.Mai 1999

 

Und hier noch zwei hochauflösende Noaa-Satellitenbilder der von den vernichtenden Tornados am 3. Mai 1999 heimgesuchten Regionen um die US-Bundesstaaten Kansas und Oklahoma:

Klicken Sie auf die Bilder, wenn Sie sie in voller Größe (ca 650 kb) laden möchten. Dann sind die Einzelheiten noch besser zu erkennen.

Unter diesen Wolkenungetümen brauten sich die Tornados zusammen und fielen unter anderem über die Stadt OKLAHOMA-CITY her...

 

Ein Bild von eigenartiger Phaszination, bedenkt man, daß unter den Wolkengebirgen tödliche Gewalten toben! Zu sehen sind die von der bereits untergehenden Abendsonne angestrahlten Wolkengipfel der Superzellen und deren düsterer Schattenwurf in die am rechten Bildrand bereits beginnende Sturm-Nacht. Denn gerade zum Zeitpunkt dieser Bilder formierten sich Dutzende von vernichtenden Tornados...

 

Und hier noch ein Link zu einer Web-Seite mit Bildern von Superzellen und Tornados. Da die Bilder copy-rechtlich geschützt sind, können wir sie Ihnen an dieser Stelle leider nicht selbst präsentieren:

Tornados und Gewitterbilder

 

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Berichten und Reportagen...

© by Jürgen Vollmer, Marburg, 1999

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