Leoniden gerieten zum "Tischfeuerwerk"
Meteorsturm kam 16 Stunden zu früh
Entgegen den Erwartungen der Astronomen entpuppte sich der für die Nacht zum Mittwoch angekündigte Meteorsturm der Leoniden in vielen Gebieten der Erde als Flopp! Erste Berichte sprechen für Mitteleuropa von einer Rate von nur etwa 10 bis 30 Meteoren pro Stunde (erwartet wurde eine solche von bis zu 100!).
Aber auch in den Regionen Ostasiens, für die die Astronomen einen Sternschnuppenregen von bis zu 10.000 Meteoren pro Stunde angekündigt hatten, reichte es am Dienstag abend mit Ach und Krach mal gerade für einige 100 Sternschnuppen je Stunde. - Das war zwar für viele der Beobachter immer noch ein faszinierendes Schauspiel, - blieb aber doch weit hinter dem erwarteten "kosmischen Feuerwerk" zurück. Ein Radioredakteur brachte die Diskrepanz zwischen den verheißungsvollen Ankündigungen und dem tatsächlichen Ereignis denn auch durchaus zutreffend auf den Punkt: Er sprach von einem "Tischfeuerwerk", das den teilweise um die halbe Welt gereisten Sternguckern vor Ort geboten wurde!
Inzwischen haben uns Berichte erreicht, wonach das Maximum des "Leoniden"-;Schwarms bereits rund 16 Stunden vor dem vorausberechneten Termin, nämlich am Dienstag morgen gegen 5 Uhr über Südwesteuropa und den Kanarischen Inseln beobachtet worden sei. Dabei sollen gegen 5 Uhr morgens zwischen 1000 und 2000 Meteore pro Stunde gezählt worden sein. Wegen der frühen Stunde und weil dort natürlich niemand mit der himmlischen Überraschung gerechnet hatte, verbreitete sich die Kunde vom völlig unverhofften Sternschnuppensegen auch dementsprechend langsam, die Nachrichten flossen nur spärlich und die Welt hatte dafür - in Erwartung des ganz großen Spektakels an ihrem anderen Ende - ohnehin keine Ohren.
Glück hatten also einmal wieder genau diejenigen, die es am allerwenigsten erwartet hatten, - eben genau so, wie manchmal auch im richtigen Leben...
Warten wir genauere Informationen ab. - Vielleicht geben sie bald Aufschluß darüber, warum sich die Astronomen derart gravierend verrechnen konnten, daß Sternfreunde aus aller Welt das so eindrucksvolle Spektakel verpassen konnten. Fest steht jedenfalls, daß sich der himmlische Sternenregen nunmal einfach nicht an die Regeln hielt, - einesteils mag das schade sein, andererseits ist es das auch wieder nicht!
Denn wie freudlos wäre wohl unsere Welt, wenn wirklich alles berechenbar wäre, was zwischen Himmel und Erde so alles passiert...*
Jürgen Vollmer
Marburg, am 18. November 1998
Im Anhang können Sie noch für ein Weilchen unsere Ankündigung des Leoniden-Schwarms nachlesen, denn sie enthält Informationen und Erklärungen, die ungeachtet des so überraschenden Verlaufs des Ereignisses weiterhin Gültigkeit haben:
Bringt Sternschnuppenregen kosmisches Feuerwerk?
Meteorsturm der Leoniden gefährdet Satelliten
In den frühen Abendstunden des 17. Novembers, etwa um 20 Uhr nach unserer Zeit, erwarten Astronomen über weiten Teilen des asiatischen Raumes ein kosmisches Feuerwerk. - Ob das Spektakel zumindest teilweise auch von Europa aus zu sehen sein wird, ist allerdings leider noch ungewiß und hängt davon ab, ob sich der Sternschnuppenschwarm verspätet oder nicht und ob dann auch noch das Wetter mitspielt.
Zu diesem Zeitpunkt durchquert die Erde die Bahn des Kometen "55P/Tempel-Tuttle", der alle 33 Jahre in die Nähe der Erde kommt und in diesem Frühjahr seinen sonnennächsten Punkt durchlaufen hat. Kometen sind - salopp gesagt - "schmutzige Eisberge" mit eingelagerten Gesteins- und Staubpartikeln. Kommt nun ein Komet in Sonnennähe submiliert (verdampf) das Eis, Staubpartikel werden freigesetzt und können einen eindrucksvollen Schweif bilden, wie dies zuletzt sehr schön bei dem Kometen "Hale-Bopp" im Frühjahr 1997 zu beobachten war.
Anschließend verteilen sich diese Partikel auf der Umlaufbahn des Kometen, wobei die räumliche Dichte in Kometennähe am größten ist. Damit erklärt sich auch, daß es nicht in jedem Jahr zu einem auffälligen Meteorschauer kommt, wenn die Erde die Umlaufbahn des Kometen durchquert. Denn nur dann, wenn dieser kurz vorher "frisches" Staubmaterial freigesetzt hat, kann sich die Erde auch als "kosmischer Staubfänger" betätigen. Als sich der Komet "55P/Tempel-Tuttle" das letzte Mal im Jahre 1966 in Erdnähe befand, konnte ein wahrer Meteorsturm mit bis zu 40 Meteoren pro Sekunde beobachtet werden. In den meisten Jahren sind dagegen nur ein paar einzelne Sternschnuppen zu sehen.
Aus historischen Quellen läßt sich dieser, etwa alle 33 Jahre besonders intensive Meteorstrom, übrigens bis zur Zeit um 900 n.Chr. zurückverfolgen. Da sich die Erde während ihres Umlaufs um die Sonne Mitte November auf das Sternbild Löwe - lateinisch "Leo" - zubewegt, scheinen alle Meteore aus diesem Sternbild zu kommen. Daher spricht man bei diesen Meteoren auch von den "Leoniden".
Wenn nun die Erde mit den nur etwa 0,2 bis 2mm dicken Staubpartikeln des Kometen zusammenstößt, verglühen diese in der Atmosphäre, was an der Leuchtspur zu erkennen ist. Es besteht also keine Gefahr für die Menschen unterhalb der schützenden Atmosphäre. Gefährlich kann es allerdings für Satelliten werden: Bei einer Kollision mit einem der Staubteilchen, welches immerhin mit der atemberaubenden Geschwindigkeit von ca. 71 km /sek (255.000 km/h) den Satelitten treffen würde, wird eine kinetische Energie von 30 Joule bis 35 Kilojoule freigesetzt. Der niedrigere Wert enspricht etwa der Energie eines kräftigen Hammerschlages, der höhere hat ca. die zehnfache Energie einer Gewehrkugel. Schäden an Satelliten, von leichteren Störungen bis hin zum Totalausfall, sind zu erwarten, so daß es zu Störungen bei Telefonverbindungen und TV- Übertragungen via Satellit kommen kann.
Weil das ganze Spektakel allerdings nur wenige Stunden dauert und von den Astronomen für den frühen Abend des 17. Novembers erwartet wird, werden wir - hier in Mitteleuropa - das Maximum des Meteorsturms mit bis zu 10.000 Meteoren pro Stunde mit großer Wahrscheinlichkeit verpassen. Nach Meinung von Experten sollten jedoch noch vor Mitternacht verstärkt Nachzügler der Leoniden auftreten. Wenn das Sternbild "Löwe" gegen 23 Uhr am östlichen Himmel aufgeht, könnten immerhin noch 100 Sternschnuppen pro Stunde öber den Himmel huschen.
Eine kleine Chance auf deutlich mehr Sternschnuppen bleibt uns aber noch, denn trotz den inzwischen schon sehr genauen Berechnungsmethoden der Astronomen, besteht durchaus auch die Möglichkeit, das sich das Ereignis um ein paar Stunden verfrüht oder verspätet, so wie dies zuletzt bei den "Draconiden" am 7. Oktober dieses Jahres geschehen ist. - Diese kamen etwa 4 Stunden zu früh, so daß der für Mitteleuropa erwartete Sternschnuppenregen bereits in den Nachmittagsstunden niederging und daher für uns unsichtbar blieb.
Sollten sich die "Leoniden" nun am 17. November auch nur um wenige Stunden verspäten, so kämen wir Mitteleuropäer doch noch voll in den Genuß des himmlischen Feuerwerks, - vorausgesetzt Petrus gibt die Bühne frei...*
Winfried Kräling und Jürgen Vollmer
Marburg, den 12. November 1998
Zu anderen, in dieser Rubrik erschienenen
Berichten und Reportagen...
© by Jürgen Vollmer, Marburg, 1998
Sämtliche Texte, Bilder und Grafiken dieses Services sind urheberrechtlich geschützt und ausschließlich für den nicht-kommerziellen Gebrauch bestimmt. Jede Vervielfältigung bzw. Übertragung zu anderen als privaten, schulischen oder wissenschaftlichen Zwecken bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors.
| Wetterrevue-Startseite | Das Magazinarchiv | 10-Tage-MRF-Animation | Unsere Wetterfibel | Die Wettergeschichten |