"Georges" am Dienstag, den 28. September, 00:45 MESZ über dem Süden des Bundesstaates "Mississippi"
"Georges" am Donnerstag, den 1. Oktober, 18:02 MESZ auf Ostkurs über Nordflorida
Der Wirbelsturm "Georges", der mehr als eine Wochen lang eine Spur der Zerstörung durch die Karibik und die Südstaaten der USA zog, hat sich inzwischen fast aufgelöst. Die beiden Bilder zeigen im Vergleich, wie stark die Form der Wolken aufgrund der abbremsenden Reibung des Windes an der Landoberfläche immer mehr aus der Form laufen, - "Goerges" liegt inzwischen in den letzten Zügen...
Zuletzt hatte "Georges" am Sonntag nachmittag noch einmal ein ausgeprägtes "Auge" entwickelt. Auf dem Bild von Dienstag nacht, 00:45 Uhr MESZ (Mo, 15:45 Uhr nachmittags in dem betroffenen Gebiet) kann man sehen, daß sich dieses Auge bereits wieder mit Wolken gefüllt hat. - Es lag zum Zeitpunkt der Aufnahme etwa 100 Kilometer nördölich der Golfküste.
Obwohl der Ex-Hurrikan nunmehr rasch weiter zerfällt, muß unter seinen Wolkenclustern immer noch mit kräftigen Regengüssen gerechnet werden und die Intensität dieses Regens wird nur langsam abnehmen...
Die Zugbahn von Ex-Hurrikan "Georges" als "tropischer Strum" bis zum Donnerstag, den 1. Oktober
"Georges" löst sich langsam auf
Wie die oben abgebildete Karte zeigt, wird sich sich "Georges" auf seinem Weg über Alabama hinweg nach Osten nunmehr rasch auflösen.
- Die Windangaben in der Karte sind in Knoten angegeben. Zur Umrechnung in Stundenkilometer gilt ungefähr der Faktor 1,85, d.h. 30 Knoten entsprechen noch etwa 50 Stundenkilometern, d.h. die Sturmesgewalt ist inzwischen überall sicher gebrochen...
Marburg, den 29. September 1998
Im Anhang finden Sie noch für ein Weilchen unsere "Wettergeschichte" zum Sturm, in der wir erklären, wie und unter welchen Bedingungen ein solcher Hurrikan überhaupt erst entstehen kann...
Frühere Bilder des Hurrikans "George"
Hurrican "Georges" - Tödlicher Wirbelsturm durchpflügt die Karibik
Es ist mal wieder soweit: Nach dem Augusthurrikan "Bonnie" driftet dieser Tage ein neuer, gewaltiger Wirbelsturm durch die Karibik und hinterläßt schwerste Verwüstungen. Und auf seiner aktuellen Zugbahn liegt, wenn er nicht noch überraschend abdreht, wieder einmal Florida...
Im Inneren des stärksten Wirbelsturms in dieser Region seit fast 20 Jahren rotieren gigantische Luftpakete mit Windgeschwindigkeiten, die zeitweise über 200 Stundenkilometern lagen und in Spitzenböen sogar über 250 Kilometer pro Stunde erreichten!
Anders als die Sturmfelder unserer Breiten, verdanken die je nach der Region ihres Auftretens als "Hurrican", "Taifun", "Willy Willy" oder einfach nur "Zyklon" bezeichneten, tropischen Wirbelstürme ihr Entstehen nicht dem Zusammenprall von kalten und warmen Luftmassen. Sie entwickeln sich vielmehr ausschließlich über den warmen, äquatornahen Meeresgebieten und weisen daher auch keine Luftmassenfronten auf.
Die komplizierten Mechanismen, welche zur Bildung eines solchen Sturms führen, sind auch heute noch nicht restlos geklärt. - Wesentliche Voraussetzungen bestehen jedoch darin, daß die Oberflächentemperatur des Meeres bei geringen Luftdruckgegensätzen weitflächig mindestens 27 Grad betragen muß. Und diese Bedingungen werden im mittleren Atlantik und in der Karibik Jahr für Jahr am Ende des Sommers und im frühen Herbst angetroffen.
Entwickelt sich bei derartigen Optimalbedingungen erst einmal eine Gewitterstörung, können die Rotationskräfte der Erde eine "zyklonale" Drehbewegung in Gang setzen. Der auf diese Weise frisch geborene, tropische Sturm saugt sodann gierig feucht-warme Luftmassen aus seiner Umgebung an, die in immer enger werdenden Spiralen zu seinem Zentrum strömen und dabei zugleich in große Höhen aufsteigen. So wird den gewaltigen Gewitterwolken des jungen Sturms fortlaufend neue "Nahrung" zugeführt.
Im Zentrum der rotierenden Sturmsäule bildet sich alsdann ein Bereich völliger Windruhe, das 5 bis 20 Kilometer durchmessende "Auge", in welchem der Himmel fast wolkenlos ist, so daß hier sogar die Sonne scheint. Aufgrund der zu diesem Auge gerichteten, wasseraufhäufenden Wirkung des Sturms sowie wegen des extrem geringen Luftdrucks und nicht selten mehr als 50 cm gefallenen Regens, kann der Meeresspiegel am Vorderrand dieses Sturmzentrums um etliche Meter aufgewölbt werden.
So wurden in der Vergangenheit schon Wirbelstürme beobachtet, die mit bis zu 12 Meter hohen Flutwellen über die betroffenen Küstengebiete hereinbrachen, wo sie zusammen mit den vernichtenden Sturmböen binnen kürzester Zeit gigantische Verwüstungen hinterließen. In der genauen Beobachtung der Zugbahn solch’ tödlicher Stürme liegt für die bedrohten Regionen die einzige Chance, rechtzeitig Vorkehrungen zum Schutz der Bevölkerung zu treffen...
Jürgen VollmerMarburg, den 20. September 1998
Bilder des August-Hurrikans"Bonnie"
Zu den anderen, in dieser Rubrik erschienenen
Blitzlichtern...
© by Jürgen Vollmer, Marburg, 1998
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