Der Meteorit von Grönland:

Splitter eines "ausgebrannten" Kometenkerns?

Kleinplanet "Phaeton" kreuzte 18 Tage vor dem "Crash" die Erdbahn

So könnte der Meteorit die Polarnacht über Grönland im Moment seines Aufglühens erhellt haben (Zeichung):

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english page: newspaper- and e-mail-informations * 12-01-98

Satellitenbilder und Erklärung der Wolke nahe dem Einschlagsgebiet* 17-01-98

Chronologischer Nachrichtenüberblick * 17-01-98

Marburg, den 17. Januar 1998:

Bei dem am 9. Dezember über der Südspitze Grönlands niedergegangenen Meteoriten handelt es sich möglicherwiese um ein Bruchstück des erst 1983 entdeckten Kleinplaneten "Phaeton". Wie der Marburger Amateurastronom Winfried Kräling gegenüber dem Marburger Stadtmagazin "Express" bereits am 10. Januar 1998 erklärt hatte, könnte sich ein Splitter des Asteroiden bereits vor mehreren Tausend Jahren abgelöst haben und die Sonne seitdem auf einer sehr ähnlichen Bahn wie Phaeton umkreisen. Der Kleinplanet, der auch als Quelle für den periodisch wiederkehrenden Meteoritenschwarm der "Geminiden" angesehen wird, kreuzte die Erdbahn laut Kräling gerade erst am 21. 11. 1997! Und exakt diesen Kreuzungspunkt erreichte die Erde am 12. Dezember 1997, also gerade mal 3 Wochen nach dem (glücklicherweise ja verpassten) Rendevouz-Termin! - 3 Tage zuvor war der Meteoriteneinschlag auf Grönland beobachtet worden, - "das passt ziemlich gut zusammen", so Kräling.

Für diese Überlegungen spricht unter anderem die Tatsache, daß das Sternbild "Zwillinge" (lat. "Gemini") nach dem der Meteoritenschwarm der "Geminiden" wegen seines scheinbaren Ausstrahlens aus diesem Sternbild benannt wurde, zum Zeitpunkt des Ereignisses im Westen stand. Auch der Meteorit von Grönland fiel, nach Augenzeugenberichten aus westlicher bzw. nordwestlicher Richtung ein...

Bei "Phaeton", so Krälings Vermutungen weiter, könnte es sich um einen "ausgebrannten" Kometenkern handeln, dessen zerfallende Substanz möglicherweise noch weitere, auch größere Trümmerstücke freigesetzt habe, die sich als "Gesteinssplitter" jeweils auf einer ähnlichen Bahn wie der ursprüngliche Asteroid bwz. "ausgebrannte" Kometenkern selbst bewegen. Genauere Auswertungen der der Beobachtungsdaten des Meteoriten von Grönland könnten diese Vermutungen bestätigen oder auch widerlegen.

Indessen gehen offenbar auch die dänischen Experten des Niels-Bohr-Instituts, der Kopenhagener Universität und des Tycho-Brahe-Planetariums von denselben Überlegungen aus: In einer dpa-Pressemitteilung vom 16. Januar 1998 heißt es, daß der Grönland-Meteorit unter anderem auch deswegen als potentielle, wissenschaftliche Sensation gewertet werde, weil er aus dem jüngst gesichteten Sternschnuppenschwarm "Geminiden" stammen könnte. Und wenn das der Fall sei, würde der Meteorit wichtige Aufschlüsse über die Frühzeit des Sonnensystems ermöglichen, so Lars Christensen vom Tycho-Brahe-Institut gegenüber der Nachrichtenagentur.

Das große Handicap der Wissenschaftler bestehe nun darin, daß der genaue Einschlagsort des Meteoriten immer noch nicht gefunden worden sei. Das in Frage kommende Gebiet erstrecke sich immer noch über eine Fläche von 500 bis 1000 Quadratkilometern und die Region sei sehr unzugänglich. Das Gelände bestehe aus Felsen, Seen und Fjorden, wo die Reste des immerhin noch auf mehrere Meter Dicke geschätzten Meteoriten schnell für immer verschwinden könnten...

Ob eine Expedition zu Lande entsandt werde, stehe noch nicht fest. Erst wolle man die noch nicht abgeschlossene Auswertung der Radarbilder und die Ergebnisse der Meßarbeiten abwarten. Soviel steht indessen bereits fest: Wenn man den Einschlagsort des Meteoriten nicht bald ausfindig macht, dann besteht die Gefahr, daß spätestens die Frühjahrsschneeschmelze alle Spuren der kosmischen Crashs zunichte machen könnte.

Wir berichten weiter...

CHRONOLOGIE

 

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© by Jürgen Vollmer, Marburg, 1998

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